Frauenraub

 

03.08.2017

Frauenraub durch Mohammedaner

Frauenraub
Bradley Smith, Spanien, Geschichte und Kunst, DROEMER KNAUR

Die Moslems fallen in Spanien ein

Die Invasion der Mohammedaner erfolgte über die vierzehn Kilometer breite Wasserstraße, die Afrika von Europa trennt. Dort, wo einst die Säulen des Herkules standen, landete im Jahre 711 eine kleine Streitmacht von 12.000 Arabern, Berbern und Syrern, angeführt von einem Berberhäuptling namens Tarik‚ ohne auf Widerstand zu stoßen. Der Felsen, an dem die Landung stattfand, trägt noch jetzt den Namen des Anführers: Jebel-al-Tarik, Gibraltar (Berg des Tarik). Bald nach der geglückten Landung an dem felsigen Vorgebirge ließ Tarik Befestigungsanlagen bauen, die zum Teil noch heute vorhanden sind.

Sage und geschichtliche Überlieferung deuten darauf hin, daß die Araber wenigstens in einem Teil des arg zerrissenen Westgotenreichs willkommen waren. Denn als Tarik vorrückte, schloß sich das desorganisierte Gotenheer durchaus nicht etwa gegen die Eindringlinge zusammen. Nur einige wenige Truppen scharten sich um Roderich, den gewählten König; doch er wurde besiegt und sein Heer völlig aufgerieben. Nach einer alten Sage soll nach der Schlacht nur sein Pferd aufgegriffen worden sein; von dem König fand man keine Spur. Tarik drang ungehindert weiter vor, und bald folgte ihm Musa, der Gouverneur des islamischen Afrika, mit einem größeren Heere nach. Noch bevor sie ihre Streitkräfte vereinigten, ergab sich ein Teil des Landes nach dem andern fast kampflos. Nur die Stadt Mérida – ursprünglich von den Keltiberern gegründet und später römische Garnison – leistete heftigen Widerstand und setzte den Kampf noch längere Zeit nach dem Eindringen der Mohammedaner fort. Doch schließlich wurden auch ihre Verteidiger überwältigt.

Musa unterstellte Iberien der Oberherrschaft des Kalifats von Damaskus. Der leichte Sieg war allerdings weder sein noch Tariks Verdienst. Der Mann, der die Grundlagen für die Invasion schuf, der den Ansporn lieferte und die Gesetze gab, nach denen sowohl Sieger wie Besiegte regiert werden sollten, wurde einhundertdreiundvierzig Jahre zuvor in Mekka geboren. Während er als Ladenbesitzer und Karawanenführer arbeitete, sammelte er eine ergebene Schar von Verwandten und Freunden um sich und verkündete im Jahr 616 n. Chr.‚ ein knappes Jahrhundert vor der größten Expansion, die die arabische Welt je erlebte, eine neue Religion. Sie hieß der Islam, und Mohammed war ihr Prophet.

Ohne Kenntnis des Islam kann man die Invasion Iberiens und seine völlige Untrwerfung kaum verstehen.

Der Prophet gründete seinen neuen Gauben auf jüdische und christliche Glaubenselemente; viele davon baute er in seine neue Religion ein. Doch es gab entscheidende Unterschiede, und gerade hier liegt die Ursache dafür, daß sich das arabische Weltreich so ungeheuer rasch ausdehnte, nachdem es einmal den neuen Glauben angenommen hatte. Mohammed gab seinen Anhängern eine ausschließlich für sie bestimmte Religion, eine Religion, für die sie kämpfen und durch die sie irdischen und himmlischen Lohn erwerben konnten. Das Christentum dagegen bot nur Belohnung im Jenseits. Ungläubige, d. h. Nichtmohammedaner‚ mußten besiegt, nicht bekehrt werden; danach zwang man sie, Tribut zu zahlen. Davon lebten die wahren Gläubigen. Mächtige Engel aus dem Paradies pflegten in der Schlacht zu erscheinen und den Gläubigen zur Seite zu stehen. Für den, der im Kampf fiel, gab es keine Wartezeit; er kam sofort ins Paradies, wo er alle irdischen Freuden genießen konnte, noch viel herrlichere als auf Erden.

Der Islam hatte eine gleichsam elektrisierende Wirkung auf die Araber; er führte unmittelbar zu einer Zusammenfassung der verschiedenen Völker. Stämme, die als unorganisierte Nomaden gelebt hatten, kämpften nun erfolgreich gegen die großen Reiche Syrien, Irak, Mesopotamien, Ägypten und Iran. Nur mit der leichten Reiterausrüstung der Wüstenvölker, die ihre Vorräte auf Kamelen mit sich führten, in Zucht gehalten durch täglich fünfmal wiederholte Gebetsübungen, so ritten sie im Namen Allahs von Sieg zu Sieg.

Die Leitgedanken des Propheten wurden bei der Eroberung Iberiens in die Tat umgesetzt. Frauen, so hatte er gelehrt, waren ein wichtiger Teil der Beute; er führte auch ein, daß der siegreiche Anführer die Frau oder die Tochter des Besiegten zur Konkubine oder zum Weibe nahm. Deshalb machte Abd-er-Aziz I., der Sohn von Musa dem Eroberer, die christliche Witwe des vermißten Königs Roderich zu seiner Frau.

Dazu ein Bild mit der Unterschrift:

„Die Araber brachten wenige Frauen aus Afrika mit, nahmen jedoch gefangene Christinnen zur Frau oder machten diese zu ihren Komkubinen oder Sklavinnen.  Die Frauen auf diesem Bild sind, nach ihren durchsichtigen Gewändern zu urteilen, wahrscheinlich in einem Harem.“

http://gruenguertel.kremser.info/wp-content/uploads/Islam_Spanien_Christinnen.pdf

Bei ihrem Vormarsch auf der Halbinsel forderten die Araber von Königen, Edelleuten und Unterführern Tribute. Später gestatteten sie ihnen, ihre Ländereien zu behalten, und mischten sich auch nicht in die Verwaltung ein, wenn nur Friede herrschte und die Steuern bezahlt wurden. Wie es immer schon islamische Politik Andersgläubigen gegenüber gewesen war, durften jetzt Christen und Juden ihre eigenen Religionen beibehalten. Dies hatte sowohl theologische wie praktische Gründe. Vom theologischen Standpunkt aus wären nicht-arabische Konvertiten sowieso immer unzuverlässig gewesen. Außerdem war es eine einfache Rechnung: jemand mußte die Moslems unterhalten und Tribute konnte man nur von den Ungläubigen, nicht aber von den Glaubensgenossen nehmen.

Es gab auch Auflehnung. Einzelne Städte wehrten sich gegen Tributzahlungen, und typisch keltiberische Guerillabanden überfielen des öfteren die Eindringlinge. Aber es gab keinen zentral geleiteten Widerstand. Innerhalb von sieben Jahren hatten die Anhänger des Propheten ganz Spanien unter loser Kontrolle, mit Ausnahme der gleichen Widerstandsgebiete in den kantabrischen Bergen, die schon gegen die Römer und die Westgoten standgehalten hatten.

Es gab eine Volksgruppe, die die Ankunft der Araber begrüßte: die Juden. Wahrscheinlich haben sie sogar dazu beigetragen, den Weg für die Invasion zu ebnen. Sicher ist, daß sie sie unterstützten, und mit gutem Grunde, denn sie hatten oft genug unter den Westgoten zu leiden gehabt. Die Araber boten ihnen Glaubensfreiheit und das Recht, örtliche Gemeindevorsteher zu wählen und ihre eigenen Gesetze anzuwenden. Die Eroberer behandelten die Juden wie Verbündete und verwendeten sie als Sendboten‚ Ärzte und Lehrer, Berufe, für die sie sich besonders eigneten. Viele Juden hatten hohe Ämter inne und trugen auch bedeutend zu der kulturellen Entwicklung des islamischen Spanien bei.  Im Laufe der folgenden Jahre bekehrten sich sehr viele Christen zum Islam, sei es um die Kopf- und Bodensteuer zu umgehen, der Sklaverei zu entrinnen, höhere Ämter zu erlangen, oder auch aus wirklicher religiöser Überzeugung. Bei den Mohammedanern hießen sie Muladies; von den Christen wurden sie Renegados genannt. Man sollte sie nicht mit den Mozárabes verwechseln, welche Christen blieben und für dieses Privileg Tribut zahlten. Die christliche Kirche durfte zwar weiter bestehenbleiben, wurde jedoch von den Moslems ziemlich unter Druck gesetzt. Die Eroberer wählten oder ernannten die Bischöfe, überprüften sorgfältig die Einkünfte der Kirche und konfiszierten manchmal auch ihre Besitztümer. Alle vorhandenen Institutionen nutzten sie für ihre Zwecke aus; doch solange die Christen ihre Gemeinden unter Kontrolle halten konnten und ihre Probleme unter sich abmachten, gaben sich die Araber zufrieden; denn sie hatten mit sich selbst genug zu tun. Die mit ihrem Anteil an der Siegesbeute unzufriedenen Berber zettelten im Jahre 732 einen Aufstand an, und zwar gerade zu der Zeit, als eine große arabische Armee nach Norden zog, um das Land der Franken zu überfallen. Bei Poitiers wurden die Araber von Karl Martell geschlagen; aber ob sie wirklich nur durch diese verlorene Schlacht nach Spanien zurückgedrängt wurden, steht nicht genau fest. Es scheint beinahe, als sei der Rückzug eher wegen des Aufstandes der Berber erfolgt.

Die Berber wurden geschlagen; allerdings kam auf diese Weise ein großes syrisches Heer nach Spanien herüber.

Die Syrer waren mit der Belohnung, die ihnen der Emir gegeben hatte, nicht zufrieden und wendeten sich nun ihrerseits gegen ihn. Nach blutigen Kämpfen, mit großen Verlusten auf beiden Seiten, wurden den Syrern schließlich die Einkünfte aus einem großen Teilgebiet im Süden des Landes zugesprochen.

Es gab außer den Berbern und Syrern noch zwei weitere bedeutende islamische Sekten arabischen Ursprungs, die Sunniten und die Schiiten. Sie waren in entscheidenden theologischen Fragen grundsätzlich abweichender Meinung, und bald nach dem Berberaufstand brach zwischen den Sunniten und den Schiiten ein Bürgerkrieg aus. Im Lande herrschten anarchische Zustände, bis eines Tages ein junger Mann unter sagenhaften Abenteuern von Damaskus nach Iberien verschlagen wurde. Er entstammte dem Fürstengeschlecht der Omaijaden (Umayyaden), das die ganze arabische Welt außerhalb von Spanien beherrschte. Abdu-r-Rahman war etwa zwanzig Jahre alt, als sein Großvater, der Kalif, von der Sekte der Abassiden gestürzt wurde. Der Kalif und seine gesamte Familie, mit Ausnahme des jungen Abdu-r-Rahman und seines Bruders Jahwa, wurden ermordet. Die beiden Überlebenden flohen in die afrikanische Wüste. Doch die Abassiden, die nicht gesonnen waren, irgendeinen Omaijaden am Leben zu lassen, verfolgten die jungen Leute von Dorf zu Dorf und jagten sie durch das ganze arabische Reich. An einem Flußübergang wurde Jahwa gefangen und enthauptet. Abdu-r-Rahman entkam mit knapper Not und gelangte bis nach Ceuta, der afrikanischen Stadt, die Gibraltar genau gegenüberliegt. Von dort aus schlug er sich nach Spanien durch, wo ihn die treuen Anhänger der Omaijaden freudig begrüßten. Mit einem kleinen Heer (es wird erzählt, er habe das einzige gute Pferd geritten) zog er gegen Emir Jussuf zu Felde und schlug ihn bei Cо́rdoba. Da der junge Prinz kein Banner besaß, befestigte er seinen grünen Turban an einer Lanze. Daraus wurde später das offizielle Wahrzeichen der Omaijaden in Spanien. Die neue Dynastie sagte sich von Damaskus los und erkor Cо́rdoba zur Hauptstadt. Durch Feldzüge brachte Abdu-r-Rahman I. später eine gewisse Einigung der arabischen Staaten zustande.

Er war der Ahnherr von Abdu-r-Rahman III., dem weitaus bedeutendsten islamischen Herrscher in Spanien. Dank seinem hervorragenden Organisationstalent und seinen militärischen Führungseigenschaften kamen friedliche Zeiten in das Land. Zunächst faßte er die verschiedenen Königreiche, die inzwischen immer mehr Unabhängigkeit erlangt hatten, unter seiner Zentralgewalt zusammen. Danach erklärte er das islamische Spanien zum Kalifat, d. h. Kalifenreich, und ernannte sich selbst zum ersten Kalifen. Er wurde so mächtig, daß sogar die arabischen Provinzen in Nordafrika unter seine Oberhoheit kamen.

Unter dem Kalifat war Spanien der reichste und mächtigste Staat in ganz Europa. Wieder ernteten die Bewohner Iberiens, wie schon zu Zeiten der Griechen und Römer, die Vorteile einer Kultur, die auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung stand. Nach Spanien kam feines Schreibpapier und ersetzte das teurere und unhandlichere Papyrusblatt. Sehr nützlich waren bei dem schnell aufblühenden Wirtschaftsleben die Rechentafeln, mit der Einführung des Zeichens für Null, das die Araber von den Indern übernommen hatten; und besondere Sorgfalt verwandte man auf die Bewässerungstechnik, wodurch weite Gebiete fruchtbar gemacht wurden. Zeitgenössische Chronisten beschreiben Cо́rdoba als eine Stadt mit 20.000 Häusern, 600 Moscheen und 900 Badehäusern sowie zahlreichen öffentlichen Gebäuden. Berühmt war die Große Moschee von Cо́rdoba, die bereits in der Regierungszeit Abdu-r-Rahmans I. begonnen worden war. Zur Zeit von Abdu-r-Rahman III. besaß sie 21 Türen und 1293 Säulen aus Jaspis und Porphyr.

Es wird berichtet, im islamischen Spanien hätten sich die Staatseinkünfte während der 112 Jahre zwischen Abdu- r-Rahman I. und Abdu-r-Rahman III. um das Achtzehnfache vermehrt. Die Bevölkerung wuchs ständig an; sehr viel wurde für die geistige Bildung getan. Seitdem das Papier erschwinglich geworden war, wurden mehr Bücher geschrieben und in Umlauf gebracht, Bücher über die verschiedensten Wissensgebiete, wie Religion, Astronomie, Recht, Medizin und Philosophie. Die beliebteste Literaturform der Zeit war die Poesie; die meisten Gedichte wurden gesungen. Dichter waren sowohl bei der Aristokratie wie beim einfachen Volk hoch angesehen. Einige Herrscher unterhielten einen großen Stab von Poeten an ihrem Hofe; so soll Almansor (Al Mansur), ein Minister, der faktisch, wenn auch nicht dem Namen nach, Kalif war, sich vierzig Dichter gehalten haben. Er wußte wohl, daß gut vorgetragene Verse ebensoviel Unheil anrichten konnten wie ein feindlicher Überfall. Almansor war ein hervorragender Staatsmann, der der Sage nach Liebhaber der Frau des Kalifen wurde. Als Großwesir übernahm er später von Hischam II. das Kalifat und regierte im Namen des abgesetzten Monarchen. Sein wirklicher Name war Mahomet, aber er ist bekannter unter dem Namen Almansor, „der von Allah Begünstigte“. Er war ein fanatischer Christenverfolger. Durch den Versuch, eine Dynastie zu gründen, führte er den endgültigen Verfall des Kalifats herbei. Sein Sohn Abdul Malik folgte ihm in der Regierung, aber er starb jung; ein anderer Sohn vermochte nicht die Unterstützung der Generäle für sich zu gewinnen. Ein Bürgerkrieg brach aus. Im Jahre 1027 wurde Hischam III., der letzte der Omaijaden‚ Kalif; doch er regierte nur vier Jahre. Damit endete das Kalifat von Cо́rdoba, und das islamische Spanien zerfiel in zahlreiche einzelne, unabhängige, oft miteinander rivalisierende kleine Königreiche, die taifas.

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Die Rolandmalereien auf den sizilianischen Karren:

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